Joomla vs WordPress vs statisch 2026: welchen Stack wählen

Wenn Sie eine Website bestellen, kommt früher oder später die Frage: worauf bauen? Der Auftragnehmer sagt «WordPress», weil er es gewohnt ist. Der Nachbar sagt «nimm statisch, das ist modern». Und Sie haben das Gefühl, Ihnen wird gerade etwas verkauft. Dieser Artikel – ohne Ideologie, zur Sache: wie sich die drei populären Ansätze tatsächlich unterscheiden und welcher zu welcher Aufgabe passt.

In diesem Artikel
  1. Kurze Antwort für Ungeduldige
  2. Joomla – für wen und warum
  3. WordPress – für wen und warum
  4. Statisch – für wen und warum
  5. Vergleich nach 7 Parametern
  6. 5 Szenarien: was wählen
  7. Häufige Fragen

Kurze Antwort für Ungeduldige

In einem Absatz: Eine Landingpage oder Mini-Site mit seltenen Änderungen – statisch, fertig. Eine Firmenwebsite mit mehreren Redakteur-Rollen oder ein Katalog mit Lead-Formular – Joomla, besonders wenn saubere Rechte und Mehrsprachigkeit wichtig sind. Ein Blog/Medium mit neuen Beiträgen alle 1-3 Tage und fünf Autoren – WordPress, weil dessen Ökosystem aus Themes und Plugins für Redaktionen am ausgereiftesten ist. E-Commerce – hängt von der Größe ab: bis 5 000 SKU läuft VirtueMart/HikaShop in Joomla oder WooCommerce in WP gut; Zehntausende SKU erfordern Spezialplattformen.

Kernidee: «das beste CMS» gibt es nicht. Aber «das passende CMS zur Aufgabe» schon. Wenn ein Auftragnehmer das Gegenteil behauptet und Sie unabhängig vom Projekt auf einen Stack drängt – das ist entweder Tunnelblick oder der Versuch, Ihnen zu verkaufen, was er gerade kann.
40%

aller Websites laufen auf WordPress

~1.5%

Joomla-Anteil – nischig, aber stabil

96/100

durchschnittlicher PageSpeed für Statik

3-5×

Beschleunigung mit KI-Tools

Ladegeschwindigkeit (PageSpeed Mobile)

Durchschnittswert für eine typische Installation ohne Premium-Caching und CDN

Statisch
96
Joomla 5
82
WordPress
65

Werte sind Richtwerte. Mit aggressivem Caching und CDN erreicht WordPress 80+, Joomla 90+, aber eine «nackte» Installation verhält sich genau so.

Joomla – für wen und warum

Joomla 5 ist ein ausgereiftes CMS auf PHP 8.x. Laut W3Techs betreibt es etwa 1,5-2% aller CMS-Sites weltweit – nischig, aber stabil. In Kontinentaleuropa und dem postsowjetischen Raum liegt der Anteil historisch höher – viele Firmen- und Behörden-Websites laufen darauf.

Vorteile:

  • Mehrsprachigkeit out of the box – kein kostenpflichtiges Plugin der WPML-Klasse nötig, um eine Website in 4 Sprachen zu starten.
  • Flexibles ACL – ein Redakteur kann nur seinen Bereich sehen, ohne andere zu berühren.
  • Weniger «Plugin-Zoo» – das Erweiterungsökosystem ist kleiner als das von WP, dadurch fällt die Auswahl qualitativer Komponenten leichter und das Risiko verlassener Plugins ist niedriger.
  • Starkes Komponentenmodell – VirtueMart für Shops, HikaShop für Kataloge, K2 für strukturierten Content. Jede Komponente deckt ihren Bereich ab.
  • Weniger Bot-Ziel – Massenangriffe richten sich meist gegen WordPress, weil es größer ist.

Nachteile:

  • Weniger fertige Themes und Templates auf Marktplätzen.
  • Kleinerer Specialisten-Pool – einen Auftragnehmer zu finden ist nicht so einfach wie «WordPress an jeder Ecke».
  • Für redaktionelle Sites mit vielen Autoren ist das WP-Ökosystem komfortabler.

Ich arbeite seit Langem mit Joomla und wähle es weiterhin für Projekte, bei denen saubere Architektur und Mehrsprachigkeit wichtig sind. AI-Pair-Programming hilft: Templates lassen sich schnell anpassen, eigene Module schreiben, CRM-Integrationen bauen. Mehr dazu – im Artikel zur KI-Entwicklung 2026.

WordPress – für wen und warum

WordPress ist das weltweit beliebteste CMS und betreibt rund 40% aller Sites. Daraus ergeben sich zwei Effekte: ein riesiges Ökosystem und eine riesige Angriffsfläche.

Vorteile:

  • Riesiges Ökosystem – Tausende kostenloser und kommerzieller Themes, Plugins für fast jede Aufgabe.
  • Bequeme visuelle Bearbeitung (Gutenberg, Elementor) – Redakteure brauchen kein HTML, um einen neuen Block hinzuzufügen.
  • Verfügbarkeit von Spezialisten – einen WP-Entwickler zu finden ist einfacher und günstiger als einen Joomla-Entwickler.
  • Passt zu redaktionellen Sites – Rollen und Publishing-Workflow sind auf mehrere Autoren ausgelegt.
  • WooCommerce – die populärste E-Commerce-Lösung für WP, mit vielen fertigen Integrationen für Zahlungen und Versand.

Nachteile:

  • Hohe Anfälligkeit bei Vernachlässigung – die meisten Hacks kommen von nicht aktualisierten Plugins. Jede WP-Installation, die ein Jahr unberührt bleibt, ist ein Ziel.
  • «Plugin-Zoo» – 30+ Plugins in einer Site bedeuten Konflikte, Trägheit, doppelte Funktionalität.
  • Kostenpflichtige Erweiterungen – Mehrsprachigkeit (WPML), ernsthafter Formularschutz, All-in-One-SEO-Suiten sind Abos, die sich summieren.
  • Visuelle Builder blähen Code auf – eine unoptimierte Elementor-Site landet leicht bei PageSpeed 30-40 auf Mobil.

Statisch – für wen und warum

Eine statische Website besteht aus HTML-, CSS- und JS-Dateien – keine Datenbank, kein PHP. Der Server liefert einfach Dateien aus. Moderne Generatoren (Hugo, Eleventy, Astro, der Jamstack-Ansatz) lassen Sie in Markdown schreiben und die Site in einen HTML-Ordner kompilieren, der dann aufs Hosting oder CDN geladen wird.

Vorteile:

  • Maximale Geschwindigkeit – keine Server-Verarbeitung, die Seite kommt fertig an. PageSpeed 95-100 ist normal.
  • Sicherheit – es gibt nichts zu hacken: kein Admin, keine DB, keine PHP-Lücken.
  • Minimales Hosting – statisch wird fast kostenlos gehostet (Netlify, Cloudflare Pages, GitHub Pages oder einfaches Shared Hosting).
  • Keine Core-Updates – es gibt nichts zu aktualisieren.
  • Perfekt für Landings und Portfolios – wo Änderungen selten sind und Content sich kaum bewegt.

Nachteile:

  • Kein Admin-Panel – eine neue Seite hinzuzufügen heißt Datei bearbeiten oder Git-Commit. Nicht jeder Kunde mag das.
  • Dynamische Features extern – Formulare, Kommentare, Suche, Warenkorb sind Drittdienste oder APIs.
  • Große Kataloge sind schmerzhaft – 50 000 HTML-Seiten zu generieren dauert, vollständige Rebuilds können Minuten brauchen.
  • Nicht für häufige Nicht-Techniker als Redakteure – fünf Autoren mit gleichzeitigem «Fenster-Zugang» sind keine Statik mehr.
Mittelweg: «Headless CMS + statisch». Content wird in einer Admin (Strapi, Sanity) bearbeitet, die Site wird bei Änderung neu gebaut. Bietet die Geschwindigkeit der Statik und den Komfort einer Admin, kostet aber mehr Architektur-Komplexität als pure Statik. Nicht für jedes Projekt sinnvoll.

Vergleich nach 7 Parametern

Parameter Joomla WordPress Statisch
Ladegeschwindigkeit Mittel, gut bei wenigen Plugins Mittel, braucht Caching Maximal
Sicherheit Hoch bei regelmäßigen Updates Hoch bei Updates, aber größeres Ziel Architektonisch maximal
Content-Bearbeitung Gut, saubere Admin Exzellent, visuelle Builder Nur über Dateien oder Git
Mehrsprachigkeit Eingebaut Kostenpflichtiges Plugin (WPML) Hängt von der Umsetzung ab
Wartungskosten Mittel Kann durch Paid-Plugins hoch sein Minimal
Katalog / E-Commerce VirtueMart, HikaShop WooCommerce Nur über externe Dienste
Verfügbarkeit von Spezialisten Mittel Sehr hoch Hoch

5 Szenarien – was wählen

Szenario 1: Landingpage für eine Leistung

Beispiel: schlüsselfertige Wohnungssanierung oder eine private Zahnarztpraxis. Eine Seite, Lead-Formular, Analytics. Änderungen einmal pro Quartal.

Empfehlung: statisch. Geschwindigkeit, Sicherheit, minimales Hosting. Ein CMS ist hier Overkill.

Szenario 2: Firmenwebsite mit 10-30 Seiten

Mehrere Leistungen, Team, Cases, Kontakte, News. Content wöchentlich aktualisiert, Mehrsprachigkeit nötig.

Empfehlung: Joomla. ACL für verschiedene Redakteure, Mehrsprachigkeit ohne Aufpreis, saubere Menü-/Bereichsverwaltung.

Szenario 3: Redaktionsblog mit fünf Autoren

Content-Projekt, Artikel alle 1-3 Tage, mehrere Kategorien, Werbeblöcke, Abos. Ein bequemer Editor ist Pflicht.

Empfehlung: WordPress. Ökosystem, fertige Redaktions-Themes, komfortabel für Nicht-Techniker.

Szenario 4: Online-Shop bis 5 000 SKU

Katalog mit Filtern, Warenkorb, Bezahlung, Kundenkonto, Aktionen, Versand.

Empfehlung: Joomla mit VirtueMart/HikaShop oder WordPress mit WooCommerce. Die Wahl hängt davon ab, ob Sie Mehrsprachigkeit brauchen (Joomla gewinnt) oder eine riesige Theme-Auswahl (WP). Ab 10 000 SKU würde ich auf Spezialplattformen schauen – Shopify, OpenCart oder Eigenbau.

Szenario 5: B2B-Katalog mit Lead-Formular

Liste von Leistungen oder Produkten mit Beschreibungen, Filtern, Anfrageformularen. Kein Online-Kauf – der Kunde hinterlässt eine Anfrage, ein Manager ruft zurück.

Empfehlung: Joomla mit HikaShop im «Ohne-Warenkorb»-Modus oder statisch mit dynamischen Formularen. Voll-E-Commerce ist hier überflüssig.

Wenn Sie bereits eine Website haben und überlegen, den Stack zu wechseln – diagnostizieren Sie zuerst den echten Schmerz. Langsamkeit? Oft mit Caching und Bildoptimierung ohne Migration lösbar. Hacks? Lösbar mit Updates und Plugin-Audit. Unbequeme Admin? Vielleicht falsch konfigurierte Rechte. Eine Migration kostet 2-4 Wochen plus SEO-Risiko. Erst Diagnose, dann Wechsel.

Häufig gestellte Fragen

Ist Joomla 2026 noch relevant?

Ja. Joomla 5 ist ein modernes CMS auf PHP 8.x mit durchdachtem Rechtesystem, eingebauter Mehrsprachigkeit und einem weniger aggressiven Ökosystem als WordPress. Es passt gut zu Firmenwebsites, Katalogen und E-Commerce über VirtueMart oder HikaShop. Für große redaktionelle Projekte mit vielen Autoren ist WP üblicher – aber bei «mehrere Rollen, sauberes ACL, kein Monster-Page-Builder» gewinnt Joomla oft.

Was ist schneller: statisch, Joomla oder WordPress?

Bei sonst gleichen Bedingungen: statisch → Joomla → WordPress. Statisch gewinnt, weil weder DB noch PHP-Verarbeitung der Anfrage nötig sind. Joomla ist meist schneller als WordPress dank schlankerem Kern und weniger Plugins in einer typischen Installation. WordPress lässt sich mit Caching und CDN beschleunigen, dann ist der Unterschied bei einer Landingpage nicht mehr kritisch. Bei großem Katalog wird er wieder sichtbar.

Kann man einen Blog statisch betreiben?

Ja – über Jamstack-Generatoren (Hugo, Eleventy, Astro) oder handgeschrieben, wie dieser Blog. Vorteile: Geschwindigkeit, Sicherheit, minimale Hostingkosten. Nachteil: Jeder neue Artikel braucht eine Dateibearbeitung oder einen Git-Commit – nicht jeder Kunde findet das bequem. Wenn Artikel selten und von einer Person geschrieben werden, ist statisch ausgezeichnet. Bei fünf Autoren mit täglichen Updates braucht es ein CMS.

Welcher Stack ist sicherer?

Statisch ist architektonisch sicherer – es gibt fast nichts zu hacken: keine DB, kein Admin, kein PHP. Joomla und WordPress sind beide sicher, vorausgesetzt Core und Plugins werden regelmäßig aktualisiert. Die meisten CMS-Hacks sind keine Core-Lücken, sondern verlassene Sites mit 3 Jahre alten Plugins. Wer die Site aktuell hält, ist mit beiden Optionen sicher unterwegs.

Ich bin schon auf WordPress. Lohnt sich der Umzug?

Nur bei konkretem Schmerz: Langsamkeit bei normaler Last, wiederholte Hacks durch einen Plugin-Zoo, mühsame Mehrsprachigkeit. «WordPress ist uncool» allein ist kein Grund. Ein Umzug bedeutet 2-4 Wochen Arbeit plus SEO-Risiko. Wenn die Site funktioniert und Leads bringt, ist Optimierung meist die bessere Investition als Migration.

Unsicher, welcher Stack zu Ihrer Aufgabe passt?

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